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Meldung aus Absurdistan: Das Licht der Glühbirne soll die Kreativität steigern

Geschrieben von Carsten Willer. Veröffentlicht in Kreativität

Thomas Alva Edison wird es schon immer gewusst haben. Das Licht der guten alten Glühbirne soll die Kreativität steigern. Das schreiben jedenfalls fast ausnahmslos alle Medien im gleichen Wortlaut voneinander ab und berufen sich gemeinsam auf „Psychologie heute“. Auf gleichnamiger Website findet man diese Meldung allerdings (noch) nicht.

Spöttern mag dabei ein ganz anderes Licht aufgehen. Stecken etwa die arg gebeutelten Glühbirnen-Produzenten dahinter, wenn unter dem Deckmantel der Wissenschaft solch eine hanebüchene Meldung verbreitet wird? Ist das etwa eine perfekt getarnte PR-Kampagne?

Wissenschaftler aus Boston sollen die kreative Leistungsfähigkeit von Versuchspersonen bei Glühlampen- und Neonlicht verglichen haben. Wichtig dabei ist, dass unter einer nackten Glühlampe – also ohne Schirm – gearbeitet wird. Ne, ne, das ist kein Witz. Das ist Wissenschaft.

       Zitat aus mehr als 50 gleichlautenden Medien mit der immer
          gleichen Headline
:         
          Auslaufmodell Glühbirne steigert Kreativität

          „So wurden Versuchspersonen der Studie gebeten, vier zu einem Quadrat
           angeordnete Punkte mit nur drei Linien zu verbinden, ohne den Stift zu
           heben.
Nach einer Minute wurde das Deckenlicht angeknipst.

           Wurde der Raum mit einer 25-Watt-Birne erleuchtet, kamen 44 Prozent
           auf die
richtige Lösung. Ging die Neonröhre an, gelang dies nur halb so
           vielen. Allerdings
hilft die gute alte Glühbirne nur, wenn es um Kreativität
           geht und ein origineller
Einfall gefragt ist, hieß es. Das Lösen von
           Matheaufgaben wurde so nicht gefördert.“

Über Sinn und Unsinn solcher wissenschaftlicher Experimente kann man sicher streiten. Aber was diese Aufgabe mit Kreativität zu tun haben soll, muss mir mal jemand erklären. Hier geht es wohl mehr um das analytische oder abstrakte oder logische Denkvermögen. Und das ist ja wohl genau das Gegenteil von kreativem Denken.

Oder haben die Medien einfach zu viel „Kreativität“ bei der populärwissenschaftlichen Übersetzung der Forschungsergebnisse walten lassen? Unabhängig davon, was wirklich hinter dieser wissenschaftlichen Meldung steckt, ist das derzeitige Medienphänomen schon erschreckend: Je absurder die Meldung, desto öfter wird sie gedruckt. Ohne Recherche. Und ohne Gegenrecherche. Und ohne nachzudenken. Arme Medienlandschaft.

Meldung aus Absurdistan: Das Licht der Glühbirne soll die Kreativität steigern

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