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Nicht schon wieder: Manager sollen von Joseph Beuys, Damien Hirst oder Madonna lernen.

Geschrieben von Carsten Willer. Veröffentlicht in Kreativität

Im ESTM-Forum (European School of Management und Technology) der Online-Ausgabe des Manager-Magazins ist aktuell einmal mehr zu lesen: Künstler können Managern Beispiele dafür geben, wie sie Kreativität systematisch fördern können. Dagegen gibt es erstmal nichts einzuwenden.

Wenn der Autor Martin Kupp dann aber in seinem Beitrag „Was Manager von Beuys, Hirst und Madonna lernen können“, die Kreativität als wichtigste Führungsqualität zu verkaufen versucht, dann wird wieder einmal einer Illusion nachgejagt.

Die Fiktion, dass ein Manager auch kreativ sein muss, wird inzwischen gebetsmühlenartig von Unternehmensberatern wiederholt – aber auch von Führungskräften selbst, wie die in dem Beitrag erwähnte Studie von IBM zeigt.

Es ist einfach Mode geworden, das Wort Kreativität, unter dem jeder etwas anderes versteht, in die Welt zu schleudern. Keinem fällt etwas Neues ein und alle machen mit.

Natürlich müssen gute Manager Kreative finden, einstellen, führen, fördern und genausogut kreative Ideen erkennen und deren Umsetzung vorantreiben. Dazu müssen sie versuchen Kreativität zu verstehen. Aber müssen sie deshalb selbst kreativ sein?

Gute Manager müssen analysieren, organisieren, koordinieren, motivieren etc. und deshalb logisch und strukturiert denken. Kreative (nicht nur Joseph Beuys, Damien Hirst oder Madonna) bringen kreative Spitzenleistungen, weil sie genau das Gegenteil tun. Sie experimentieren, probieren, spielen, brechen Tabus, schaffen Chaos, stellen alles in Frage und sind unberechenbar.

Dass Menschen beides gleichermaßen gut können, ist die große Ausnahme und endet meist im Mittelmaß. Außerdem: Wenn Manager von Joseph Beuys, Damien Hirst oder Madonna lernen sollen, klingt das auch eher nach Imitation. Und das steht ja wohl ebenfalls im Widerspruch zur Kreativität.

Aber wenn der Autor des Beitrages letztendlich dem Schöpfer des diamantenbesetzten Totenkopfs Damien Hirst eine managertypische Vorgehensweise unterschiebt, dann wird es einfach lächerlich.

Zitat: „Wie verschaffe ich mir einen neuen Markt? In Hirsts Fall war es das Luxus-Segment, das er entdeckt und besetzt hat, indem er sich vorher drei Fragen gestellt hat:

Wer hat Interesse an teurer Kunst und warum? Was muss diesen Kunden geboten werden und wie kann man solche Kunst erfolgreich herstellen, vermarkten und vertreiben?“

Wer sich solche Fragen stellt, der kommt mit traumwandlerischer Sicherheit auf keinen Fall zu bahnbrechenden Ideen. Auch wenn es bei Wikipedia und auf anderen Portalen verbreitet wird: Solche Fragen können nur Leute formulieren, die stets im Nachhinein versuchen, etwas zu analysieren und dessen eigene Kreativität wohl schon in Kindertagen verloren gegangen ist.

Ganz im Gegensatz zur Kreativität von Joseph Beuys, Damien Hirst oder Madonna.
Nicht schon wieder: Manager sollen von Joseph Beuys, Damien Hirst oder Madonna lernen.

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