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Workshop: Design Thinking hat mit Kreativität so wenig zu tun wie Google mit Kreativitätstraining

Geschrieben von Carsten Willer am 15. März 2013. Veröffentlicht in Kreativitätstraining

Design Thinking: Das klingt beim ersten Hinhören nach Produkt- oder grafischer Gestaltung. Design Thinking soll aber viel mehr sein: Ein Innovationstool bzw. eine Methode, die zur Entwicklung neuer Ideen führt.

Kürzlich hatte ich die Gelegenheit, einen Workshop zum Thema Design Thinking zu besuchen. Meine ganz persönliche Erkenntnis: Design Thinking mag ein gutes Problemlösungstool sein. Wirklich neue Ideen kann man von Design Thinking kaum erwarten.

Design Thinking wird an der sogenannten "School of Design Thinking" des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) in Potsdam und an der D-School der Stanford University in Palo Alto gelehrt. Urheber ist u. a. einer der Gründer der amerikanischen Agentur IDEO.

Beim Design Thinking geht es einerseits um den Prozess: Verstehen, Beobachten, Ideen finden, Verfeinern, Ausführen und Lernen. Anderseits glaubt man, dass man nur Menschen aus verschiedenen Fachdisziplinen und mit verschiedenen Skills zusammenbringen muss, um kreative Prozesse zu fördern.

Der Workshop: Design Thinking

Okay! Ich!!! hatte Vorurteile! Denn ich durfte am HPI schon selbst einmal miterleben, wie studentisches Design Thinking funktionieren soll. Aber auch beim jetzigen Workshop haben sich alle meine Vorurteile wieder bestätigt.

Die Stichworte des Workshops hießen: Fokus auf Nutzer, ko-kreativ im Team, Idee und Bewertung trennen, Visualisierung, Prototyping, kurze Zeiteinheiten usw.

Kundenfokussierung ist ein schönes Schlagwort. Aber wenn Steve Jobs vor der Produktentwicklung seine Kunden befragt hätte, dann hätten sie weder iTunes, iPad noch iPhone gewollt. Wer sich zu früh beschränkt, verspielt Chancen auf neue Ideen. Andersherum wird eher ein Schuh draus. Erst verrückte Ideen, dann Abgleich mit Nutzerinteressen.

Ko-Kreation klingt auch gut. Aber Teams und Kreativität, das geht fast nie zusammen. Das haben schon so viele Studien nachgewiesen. Da muss man eigentlich gar nicht mehr drüber reden. Auch bei diesem Workshop entstanden sofort ungewollt und unbemerkt Hierarchien, die jedwede Kreativität blockieren. Da hilft auch kein genialer Moderator.

Visualisierung und Prototyping sind sinnvoll. Aber fast immer erfolgt das viel zu früh. Sofort hängt man an dem einen Gedanken fest und ist nicht mehr offen. Und wer kurze Zeiteinheiten fordert, um den kreativen Prozess voranzutreiben, der hat wohl selbst noch nie einen kreativen Prozess erlebt und reflektiert.

Die Ergebnisse des Workshops waren dementsprechend. Alle Gruppen haben versucht, etwas Bekanntes ein bisschen besser zu machen – also eher Problemlösung anstatt wirklich neue Ideen.

Mein Fazit:
Design Thinking gleicht dem Versuch, den kreativen Prozess zu industrialisieren, was meiner Meinung nach nicht funktionieren kann. Design Thinking ist wohl eher eine Marketingidee, um noch einen Workshop für Ideenfindung zu verkaufen. Mit Kreativität und der Entwicklung wirklich neuer Ideen hat Design Thinking kaum etwas zu tun.

Design Thinking bei Wikipedia
Design Thinking am HPI
Design Thinking an der Stanford University

Workshop: Design Thinking hat mit Kreativität so wenig zu tun wie Google mit Kreativitätstraining

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