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Crowdsourcing: Ausbeutung statt Schwarm-Intelligenz

Geschrieben von Carsten Willer. Veröffentlicht in Fundstücke

Es ist Mode geworden, massenhaft Laien unentgeltlich für sich arbeiten zu lassen. Unter dem Vorwand, dass Kunden in die Entwicklungsprozesse von Produkten einbezogen werden wollen, bedienen sich immer mehr Unternehmen der angeblichen Schwarm-Intelligenz der Masse.

Crowdsourcing heißt das Zauberwort. Das Internet macht es möglich. Das bekannteste Beispiel für Crowdsourcing alá Schwarm-Intelligenz ist die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia. Wikipedia ist allerdings kein kommerzielles Angebot und die freiwillige Arbeit der Vielen hat für uns alle einen Nutzen.

Wikipedia selbst sagt: „Crowdsourcing ist ... die Auslagerung auf die Intelligenz und die Arbeitskraft einer Masse von Freizeitarbeitern im Internet. Eine Schar kostenloser oder gering bezahlter Amateure generiert Inhalte, löst diverse Aufgaben und Probleme oder ist an Forschungs- und Entwicklungsprojekten beteiligt.“

Es wird gern pro Crowdsourcing und Schwarm-Intelligenz argumentiert und behauptet, dass die Masse intelligenter bzw. kreativer ist als der Einzelne. Für diese Annahme, gibt es ebenso viele Beweise wie Gegenbeweise. Ich glaube, dass die Intelligenz genauso wie die Kreativität immer eine höchst individuelle Angelegenheit bleiben wird.

Crowdsourcing setzt nicht auf Schwarm-Intelligenz sondern auf Naivität

Das Crowdsourcing nutzt einzig und allein die statistische Tatsache, dass in einer größeren Anzahl von in die Produktentwicklung involvierten Menschen, die Wahrscheinlichkeit größer ist, dass ein paar intelligentere bzw. kreativere Menschen dabei sind.

Für die Gründe, warum so viele Menschen beim Crowdsourcing mitmachen und Unternehmen unentgeltlich ihre Intelligenz und Kreativität zur Verfügung stellen, gibt es einige aber keine verlässlichen Erklärungsversuche. Wahrscheinlich liegt eine der Ursachen auch in unserer kulturellen Entwicklung.

Für Dinge, die wir anfassen können, sind wir in der Regel bereit mehr zu zahlen als für geistige Schöpfungen. Denn Ideen hat man einfach so. Es fühlt sich jedenfalls oft so an. Deshalb messen wir ihnen im Allgemeinen auch nicht so viel Wert bei und geben sie leichtfertiger her.

Ich würde nur jedem raten: Überleg dir ganz genau, wenn du das nächste Mal von einem Unternehmen eingeladen wirst, beim Crowdsourcing (sie werden es anders nennen) mitzumachen. Deine Ideen sind mehr wert, als ein paar anerkennende Worte oder eine Probepackung XY.

Wie Unternehmen die User per Schwarm-Intelligenz für sich arbeiten lassen, beschreibt auch der Soziologe Christian Papsdorf in seinem Buch

"Wie Surfen zu Arbeit wird: Crowdsourcing im Web 2.0".

Crowdsourcing Schwarm Intelligenz

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