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Kreativität aus dem Samadhi-Tank – Mein Hirndoping Experiment mit totalem Reizentzug beim Floating

Geschrieben von Carsten Willer. Veröffentlicht in Experimente

Die Vorschusslorbeeren versprachen einiges: Es wirke fast wie LSD oder Meditation im Express-Tempo. Es sei ein Urerlebnis. Was in den 50-iger Jahren mit dem vom amerikanischen Neurophysiologen John Lilly am National Institutes of Health entwickelten Samadhi-Tank begann, hat als Floating längst die Wellness-Tempel dieser Welt erobert.

Floating mit totalem Reizentzug soll wie Hirndoping sein. Wenn wir die äußeren Reize verbannen, können wir eine Reise ins Nirvana buchen. Unser Bewusstsein schicken wir in den Urlaub und unser Unterbewusstsein übernimmt die Macht, um uns in andere Sphären zu befördern.

Das Prinzip Floating ist ganz einfach: Man nehme 30 bis 40 Zentimeter tiefes, körperwarmes Wasser, das so ausgesalzen ist, um einen Menschen zu tragen. Die Raumluft wird auch auf Körperwärme temperiert.

Floating wie im Samadhi-Tank  Floating wie im Samadhi-Tank

Und dann muss natürlich, anders als beim gewöhnlichen Wellness-Trip, alles licht- und schalldicht sein. Die drei Affen lassen grüßen: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen fühlen und natürlich fast schwerelos im Wasser schweben.

Mein erster Versuch vor mehr als zwei Jahren war eher enttäuschend. Vielleicht war die Erwartungshaltung zu groß und hat das „Loslassen“ behindert.

Also nächster Versuch: Einfach treiben lassen. An nichts denken. Nichts erwarten. Nach wenigen Minuten spürte ich nur noch Atemfrequenz und Rhythmus meines Herzschlags. Aber auch meine Verspannung in der rechten Schulter. Die Muskulatur entspannt offensichtlich nicht beim Floating.

Glaubt man einigen Wissenschaftlern, sollen die Pegel von Stresshormonen wie Cortisol und Adrenalin beim Floating sinken und das Schmerzempfinden soll während des Floatings auf ein Minimum sinken. Meine Verspannung lehrte mich dieses Mal aber etwas anderes.

Wie soll sich Hirndoping eigentlich anfühlen?

  Wie soll sich Hirndoping eigentlich anfühlen?

Die Aktivität meines Gehirns soll dann außerdem mit einer Frequenz von drei bis acht Hertz schwingen und mir das Tor zum Unbewussten öffnen – was auch immer das heißt. Und dann müsste sich vor allem die kreative rechte Hirnhälfte zu Wort melden, während die sonst dominante linke Hirnhälfte Ferien macht.

Habe ich nicht irgendwann vernommen, dass die Story von linker und rechter Hirnhälfte schon im letzten Jahrtausend ins Reich der Märchen und Sagen verbannt wurde?

Es war ja schon ein Wunder, dass ich nicht gleich eingeschlafen bin, denn normalerweise dauert das bei mir in der Horizontalen x plus 10 Sekunden. Dann passierte doch noch etwas: Ein paar Lichtblitze, die bei geöffneten Augen das Dunkel durchbrachen. Die versprochenen Tagträume blieben aber wieder aus.

Als das Licht plötzlich anging, registrierte ich allerdings, dass mein Zeitempfinden offensichtlich gestört war. Die Stunde war schon um – sehr viel schneller als ich es vermutet hatte.

Nach meinem Floating Experiment fühlte ich mich aber richtig gut entspannt. Zum Relaxen scheint es ein probates Mittel zu sein. Aber als sogenanntes Hirndoping hat es bei mir wohl wieder nicht funktioniert, jedenfalls nicht wahrnehmbar. Es ist gar nicht so einfach, gar nichts zu erwarten. Vielleicht muss man auch das Floating mit totalem Reizentzug auch Sensorische_Deprivation genannt  trainieren – wie alles im Leben.

Kreativität aus dem Samadhi-Tank – Mein Hirndoping Experiment mit totalem Reizentzug beim Floating

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