FAZ über neurowissenschaftliche Publikationen der Kreativitätsforschung: Kreativität ist die neue Intelligenz
„Wenn Menschen so unterschiedlich kreativ sind, wie wir es nun mal jeden Tag erleben, ob bei der Arbeit als Autor, Künstler oder Wissenschaftler, dann sollte man dahinter auch unterschiedlich funktionierende Gehirne vermuten,“ schrieb gestern die FAZ und hinterfragte den Stand der Kreativitätsforschung.
Die Kreativitätsforschung hinkt der Intelligenzforschung allerdings meilenweit hinterher. 19 300 neurowissenschaftliche Publikationen über Intelligenzforschung sollen 550 Publikationen zur Kreativitätsforschung gegenüberstehen.
Und diese Publikationen machen die Orientierungslosigkeit der Kreativitätsforschung beispielhaft deutlich.
David Strayer, Salt Lake City
Ausflug in die Natur plus Auszeit am Computer steigert die Kreativität um 50 Prozent.
Publikation: Creativity in the Wild: Improving Creative Reasoning through Immersion in Natural Settings, Plos One
Andreas Fink, Mathias Benedek, Graz
Kreative Menschen zeigen ausgeprägte Alpha-Wellen während der kreativen Tätigkeit.
Publikation: EEG alpha power and creative ideation, Neuroscience and Behavioral Review
Keith Sawyer, St. Louis
Keines von mehr als zwanzig untersuchten Hirnarealen ist allein für Kreativität verantwortlich.
Publikation: The Cognitive Neuroscience of Creativity: A Critical Review, Creativity Research Journal
Etienne Koechlin und Anne Collins, Paris
Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Aktivität des Vorderhirns und der Kreativität.
Publikation: Reasoning, Learning, and Creativity: Frontal Lobe Function and Human Decision-Making, Plos Biology
Rex Jung, New Mexiko
Bei Kreativen ist die schmale Großhirnrinde im Bereich des rechten Gyrus angularis stärker ausgeprägt.
Publikation: Neuroanatomy of creativity, Human Brain Mapping
Rivka Inzelberg, Tel Aviv
Künstlich gesteigerte Dopaminkonzentration im Gehirn führt zu Kreativitätsschüben.
Publikation: The Awakening of Artistic Creativity and Parkinson's Disease, Behavorial Neuroscience
Simon Kyaga, Schweden
Bei Menschen mit Bipolarer Störung und Schizophrenie wird erhöhte Kreativität beobachtet.
Publikation: Mental illness, suicide and creativity: 40-year prospective total population study, Journal of Psychiatric Research
Für das Fazit bemüht der Autor noch einmal die Grazer Kreativitätsforscher Andreas Fink und Mathias Benedek: Kreativität sei nicht nur Aktivierung oder Deaktivierung spezieller Hirnzellen und -areale, sondern ein funktionales Zusammenspiel verschiedener Hirnareale in komplexen neuronalen Netzwerken.
Ergo: Wir wissen (noch) fast gar nichts über die neurowissenschaftlichen Zusammenhänge in puncto Kreativität.
